Spitalfinanzierung

Da Vorgaben für die kantonale Spitalplanung bestehen, entspricht das Schweizer Gesundheitswesen einem regulierten Wettbewerb. Allerdings ist es föderalistisch organisiert und so vereint es 26 unterschiedliche Gesundheitssysteme. 

Zu grösseren Umbrüchen kam es 2012 mit der Einführung einer neuen Spitalfinanzierung. Die Reform hat einiges geändert: 

  • Leistungsbezogene Pauschalen für den stationären Bereich

  • Eine duale Finanzierung: Der Kanton bezahlt mind. 55% der Aufwendungen im stationären Bereich, die Versicherungen und Patienten tragen den Rest. 

  • Freie Spitalwahl über die Kantonsgrenzen hinweg

  • Vorgaben für die Spitalplanung durch die Gesundheitsdirektion der jeweiligen Kantone durch Spitallisten

Ambulant oder stationär?

Im Spital unterscheidet man zwischen dem ambulanten und stationären Bereich. Ihre Tarifsysteme unterscheiden sich bezüglich Aufbau und Struktur. Gemeinsam ist ihnen, dass sie es erlauben, Spitalrechnungen und die Kosten einer Krankheitsbehandlung schweizweit vergleichbarer zu machen.

Um dennoch regionale und andere nachvollziehbare Unterschiede zu berücksichtigen, haben Taxpunktwert und Basisfallpauschale in jedem Kanton eine andere Höhe. Sie werden von den Versicherern und Leistungserbringern ausgehandelt und vom Regierungsrat genehmigt oder hoheitlich festgelegt.

  Ambulant* Stationär
Bedeutung Spitalbehandlung ohne Übernachtung Spitalbehandlung mit Übernachtung
Kostenübernahme

Zu 100 % über die Versicherung


Kosten für den Patienten:
Selbstbehalt und Franchise

Mind. 55% durch den Kanton, der Rest durch den Versicherer
 
Kosten für den Patienten:
Selbstbehalt und Franchise
Abrechungssystem
TARMED

Jeder ärztlichen Leistung ist je nach zeitlichem Aufwand, Schwierigkeit und erforderlicher Infrastruktur eine bestimmte Anzahl von Taxpunkten zugeordnet. Dabei unterscheidet TARMED zwischen der ärztlichen und der technischen Leistung. 

SWISSDRG

Beim Fallpauschalen-System SwissDRG wird jeder Spitalaufenthalt anhand von bestimmten Kriterien wie Hauptdiagnose, Nebendiagnose und Behandlung einer Fallgruppe zugeordnet und mit einem Kostengewicht versehen. Daraus resultiert der Schweregrad. 
 

Berechnung Taxpunkt x Taxpunktwert Schweregrad x Basisfallpauschale
Kostendeckung ** 83% 93,4%

* Im ambulanten Bereich bestehen neben dem Tarifsystem für ärztlich Leistungen weitere für Logopädie, Ergotherapie, etc. 
** in den Spitälern des Kantons Zürich (Grundversicherung)

SYSTEMFEHLER:

FEHLENDE KOSTENDECKUNG IN DER GRUNDVERSICHERUNG

Die heutigen Tarife der Grundversicherung sind zu knapp bemessen. Weder stationär noch ambulant decken die Erträge die anfallenden Kosten. Gemäss Fallkostenvergleich konnten 2016 lediglich vier nicht-universitäre Spitäler von insgesamt 18 im Kanton Zürich ihre stationären KVG-Leistungen kostendeckend erbringen. Das führt zu falschen Anreizen: Ambulante Behandlungen beispielsweise sind unattraktiv, sodass zu viele Operationen stationär gemacht werden.
 
Seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Jahr 2012 benötigen die Spitäler Gewinne, da sie Investitionen selber tragen müssen. Darüber hinaus sind die Spitäler und Kliniken dazu verpflichtet, die medizinische Qualität und die Qualität der Infrastruktur für die Patienten aufrechtzuerhalten und das aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Dass es zu keinen Qualitätseinbussen kommt, hängt damit zusammen, dass Spitalaufenthalte in der allgemeinen Abteilung durch Zusatzversicherte quersubventioniert werden. Diese Marktverzerrung hat negative Auswirkungen auf die Preise für Zusatzversicherte. Weder Tarife noch Prämien können gesenkt werden und bleiben so hoch wie noch vor der Revision des Krankenversicherungsgesetzes. 

FORDERUNG DES VZK

  • Alle Behandlungen sollen kostendeckend erbracht werden können, auch in der Grundversicherung. 
  • Die Ermittlung der Basisfallpreises für die Abgeltung im stationären Bereich soll sich an schweizweiten Markt- und Betriebsvergleichen orientieren. Aktuell ist dies nicht der Fall. 
  • Der zusätzliche Aufwand für Universitätsspitäler aufgrund ihres Lehr- und Forschungsauftrags soll weiterhin durch zusätzliche Kantonsbeiträge abgegolten werden. 

Heute ist der Kanton in einem Interessenkonflikt gefangen: Er ist Spitalplaner, Leistungseinkäufer, Tairfgenehmiger und Spitalbetreiber.