VZK-Tagung
Der VZK blickt auf eine sehr erfolgreiche Tagung zurück. Über 300 Teilnehmende diskutierten das Thema «Vom Fachkräftemangel zum Fachkräftebedarf dank künstlicher Intelligenz» aus unterschiedlichen Perspektiven. Gleichzeitig standen auch Ethik und Datenschutz im Fokus – insbesondere während der Podiumsdiskussion.
Künstliche Intelligenz eröffnet vielfältige Chancen: Sie steigert Präzision sowie Effizienz und verbessert die Kommunikation, auch mit Patientinnen und Patienten. Entscheidend ist, die Potenziale der KI so zu nutzen, dass sie sowohl Patientinnen und Patienten als auch den Gesundheitsfachpersonen neue Möglichkeiten eröffnen. Der Datenschutz muss dabei verhältnismässig berücksichtigt werden, darf aber auf keinen Fall Innovationen und Therapien hemmen.
Die Gesundheitsinstitutionen stellen sich täglich diesen Herausforderungen und handeln dabei verantwortungsvoll.
Im Newsletter erfahren Sie mehr über die Tagung.
Fachpersonen schützen sich und andere – Grippeimpfung als Schlüssel zur Prävention
Gesundheitsfachpersonen tragen massgeblich dazu bei, die Grippewelle einzudämmen und das Gesundheitssystem zu entlasten. Die Grippeimpfung bietet ihnen Schutz und Sicherheit für sich, ihre Familien, die Teams sowie die Menschen, die ihnen anvertraut sind.
Im Gespräch erklären Christoph Berger, Universitäts-Kinderspital Zürich, sowie Hanna Bischofberger, Spital Affoltern, warum die Impfung für sie persönlich und beruflich unverzichtbar ist.
Ein Leben im Gesundheitswesen
Christian Schär ist seit 13 Jahren Präsident des VZK. Zuvor war er unter anderem CEO des Kantonsspitals Baden, der Spital Thurgau AG und Direktor des Careum Bildungszentrums in Zürich.
Mit über 30 Jahren praktischer Erfahrung im Gesundheitswesen bringt er wertvolles Wissen aus erster Hand mit.
Im Interview teilt er einige seiner Gedanken.
Die Ausbildungsoffensive, die nach Annahme der Pflegeinitiative durch die Schweizer Bevölkerung lanciert wurde, läuft im Kanton Zürich auf Hochtouren. Neben den Unterstützungsgeldern für die Auszubildenden und die Ausbildungsinstitutionen werden innovative Projekte zusätzlich durch die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich gefördert. Regierungsrätin Natalie Rickli erläutert im Newsletter, wie dabei vorgegangen wird und welchen Nutzen damit erzielt wird.
Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen vertieften Einblick in die verschiedenen Projekte, die bei den VZK-Mitgliedern laufen.
Der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt führen zukünftig zu einem medizinischen Mehrbedarf. Um diesen zu decken, fehlen die medizinischen Fachpersonen zunehmend. Darum ist auch die Ausbildungsoffensive so wichtig. Im Interview mit Gabi Brenner, Direktorin Pflege und MTTB des Universitätsspitals Zürich (USZ), erfahren Sie mehr darüber, wie sich das USZ der Herausforderung des Fachkräftemangels im Pflegebereich stellt. Die Rahmenbedingungen und neue Arbeitszeitmodelle wirken sich positiv auf die Motivation und die Berufsverweildauer aus. Zudem eröffnen die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz neue Handlungsspielräume.
Monika Pirovino-Zürcher leitet seit dem 1. Mai 2022 das Alterszentrum Frohmatt in Wädenswil. Im Interview auf Seite 6 erläutert sie die zentrale Bedeutung der Pflegezentren in der Betreuung und Pflege der immer älter werdenden Bevölkerung. Zudem sind diese Institutionen verlässliche Partner im Netzwerk der integrierten Versorgung, attraktive Arbeitgeber und engagierte Ausbildungsinstitutionen.
Die VZK-Tagung 2024 widmete sich dem Thema «Fachkräftemangel 2.0: rettet uns die Digitalisierung?». Auf der einen Seite wächst der medizinische Bedarf infolge der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Spezialisierung der Medizin. Auf der anderen Seite gehen in den nächsten Jahren viele Fachpersonen in den Ruhestand, die durch die nachkommenden Generationen wegen des generellen Arbeitskräftebedarfs nicht ersetzt werden können. Bereits im letzten Jahr haben wir uns des zentralen Themas «Fachkräftemangel» an der VZK-Tagung angenommen. Dieses Jahr stellten wir uns die Frage, wie die Digitalisierung helfen kann, die Personalressourcen effizienter einzusetzen.
Den Start machten interessante Inputs aus der Praxis zu den Themen: Was bringt die Ambulantisierung? Was bringen neue Arbeitsmodelle? Dann gingen wir der Frage nach, wie die Digitalisierung, das elektronische Patientendossier (EPD), DigiSanté und die Standardisierung den Fachkräftemangel entschärfen können. Und wie kann man als Institution seinen digitalen Reifegrad messen und vergleichen?
An der anschliessenden Podiumsdiskussion kam klar zum Ausdruck, dass die Ambulantisierung ein grosses Potenzial hat, um den Fachkräftemangel zu entschärfen. Man war sich auch einig, dass entsprechende tarifliche Anreize gesetzt werden müssen. Im Rahmen der Digitalisierung zeigten alle die Chancen aus ihrer jeweiligen Perspektive auf. Lesen Sie mehr dazu auf den folgenden Seiten.
Julia Hillebrandt lenkt seit vier Jahren die Geschicke der Klinik Lengg. Am 1. Juli 2024 hat sie die Leitung der Klinik Wald der Gruppe Kliniken Valens, ehemals Zürcher RehaZentren, übernommen. Im Interview auf Seite sechs erläutert sie, was sie zu diesem weiteren Schritt motivierte und was sie macht, um den wachsenden medizinischen Bedarf mit den abnehmenden Fachkräftekapazitäten in Einklang zu bringen.
Die Zürcher Gesundheitsinstitutionen befinden sich auf einer Achterbahn. Die finanzielle Situation verschlechtert sich zusehends infolge erhöhter Ausgaben, getrieben durch die Teuerung und Lohnmassnahmen, und wegen den sich nicht gleichermassen entwickelnden Einnahmen, begründet durch die zu tiefen Tarife. Dazu kommt der zunehmende Fachkräftemangel, die ungenügende Digitalisierung sowie die überbordende Regulierung und Bürokratie.
Trotzdem wird in den Zürcher Gesundheitsinstitutionen während 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag die Gesundheitsversorgung weit über die Kantonsgrenzen hinaus sichergestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen jeden Tag mit grossem Einsatz und Engagement, mit Herzblut und Kompetenz hervorragende medizinische und pflegerische Leistungen.
Die politische Arena überprüft zu wenig, wie neue Auflagen konkret umgesetzt und finanziert werden sollen. Es braucht einen Marschhalt, denn die Mikroregulierung erzeugt Mehrkosten und Frustration beim Personal.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Zwangsmassnahmen wie Planung, Steuerung sowie Regulierung nicht den gewünschten Effekt erzielen. Um die Effizienz zu verbessern und damit auch die Kostenentwicklung zu dämpfen sowie die Qualität und Zugänglichkeit zu erhalten, muss auf Anreize gesetzt werden, damit sich das Gesamtsystem in die gewünschte Richtung entwickelt. Also weg vom Verhindern und hin zum Fördern.
Wo drückt der Schuh am meisten und was kann getan werden? Ute Buschmann, seit einem Jahr Spitaldirektorin des Spitalverbands Limmattal, geht auf die dringenden Fragen ein.
Fünf psychiatrische Kliniken mit kantonalem Leistungsauftrag sind seit vergangenem Februar neu Mitglied beim VZK. Simone Weiss, Klinikdirektorin des Sanatoriums Kilchberg, erläutert den Nutzen dieser Mitgliedschaft.
Wie Forensic Nurses die Spuren sichern und Personen beraten, die von sexueller Nötigung oder häuslicher Gewalt betroffen sind, erläutern Nadja Weir, Kantonspsychiaterin, und Dominice Häni, leitende Forensic Nurse.
Monika Jänicke leitet das Universitätsspital Zürich. Im Interview beschreibt sie die Herausforderungen, ihr Führungscredo sowie die Vorteile und Voraussetzungen für die erfolgreiche Verlagerung von stationärer zu ambulanter Versorgung.
Die Schweiz verfügt über ein qualitativ hochstehendes und gut zugängliches Gesundheitswesen, das als grösster Arbeitgeber das Rückgrat für die hohe Lebensqualität und die starke wirtschaftliche Leistung bildet. Setzt man die Gesundheitsausgaben in Relation zum Bruttoinlandprodukt, so zeigt sich, dass sich die Kosten des Schweizer Gesundheitswesens im mitteleuropäischen Durchschnitt befinden – günstiger als in England und Frankreich. Der mediale Fokus auf die Kosten und der Kostenröhrenblick der nationalen Politik, insbesondere von Bundesrat und nationalem Parlament, und der Krankenversicherer hat dazu geführt, dass das Verständnis für die wahren Herausforderungen völlig verloren gegangen ist. Mehr dazu in diesem Newsletter.
Neben der Sicherung der Gesundheitsversorgung der Schweizer Bevölkerung erbringt das Gesundheitswesen eine erhebliche Wertschöpfung. Mit dieser Wertschöpfung geht eine Umweltbelastung einher, die es zu reduzieren gilt. Die Ökologiekommission des VZK hat dazu eine Tagung mit dem Titel «Green Hospital in Theorie und Praxis» durchgeführt. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet viele Chancen und Herausforderungen. Guru Sivaraman, Direktor ICT/CIO des Universitätsspitals Zürich, erläutert, wie die Behandlungsqualität der Patientinnen und Patienten und die Betriebsabläufe verbessert werden. Wie wird die Digitalisierung die Medizin verändern? Und welche Dienstleistungen bietet der VZK im Bereich des Datenschutzes und der Informationssicherheit?
Die Tarife im ambulanten und stationären Bereich sind nicht kostendeckend. Dazu kommt die Teuerung, die die Kosten in die Höhe treibt. Markus Bircher, CEO des See-Spitals Horgen und Präsident der VZK-Tarifkommission, stellt sich den Fragen zu den Tarifverhandlungen mit den Krankenversicherern.
Gerhard Schuck ist CEO des Gesundheitszentrums Dielsdorf und Vorsitzender des Netzwerkes Zürcher Pflegezentren des VZK. Was macht dieses Netzwerk aus? Die integrierte Gesundheitsversorgung steht zukünftig im Fokus. Wie kann sie verbessert werden?
Namhafte Referentinnen und Referenten aus Medizin, Pflege, Psychoanalyse und Politik beleuchteten das wichtige Zukunftsthema für die 150 Gäste im Zürcher Kongresshaus. Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben. Sie helfen bei Operationen, indem sie die Präzision sicherstellen. Sie unterstützen in der Rehabilitation und vereinfachen die Mobilisierung von Patientinnen und Patienten. Welche Rolle können sie in der Pflege spielen? Und können sie helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen? Lesen Sie mehr dazu auf den folgenden Seiten.
Die Situation auf den Notfallstationen ist angespannt. Die Eintritte haben im Jahre 2022 gegenüber 2021 um 17,3 Prozent zugenommen. Die Anzahl stationär aufgenommener Patientinnen und Patienten blieb stabil. Dies ist hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass im stationären Bereich infolge Personalmangels nicht mehr Patientinnen und Patienten aufgenommen werden können. Bei den ambulanten Notfallbehandlungen ist eine deutliche Zunahme von 21,2 Prozent festzustellen. Die Folgen sind längere Wartezeiten und Aufnahmeschwierigkeiten für Notfallpatientinnen und -patienten, die mit den Rettungsdiensten zum Spital gefahren werden. Auf Seite 5 erhalten Sie einen vertieften Einblick in die Ursachen, Konsequenzen und die zu ergreifenden Massnahmen.
Doris Benz leitet seit November 2021 das Spital Bülach. Im Interview auf Seite 6 erzählt sie, was sich bisher getan hat und was die Zukunft bringt. Zudem berichtet sie über die Covid-19-Pandemie, den grossen Nutzen, den die dezentrale Spitalversorgung bringt, und wie sie die Zusammenarbeit mit den anderen Spitälern erlebt hat.
Ebenfalls in diesem Newsletter lesen Sie mehr über die Leistungen des VZK beim Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS), bei der Grippeimpfkampagne und über die aktualisierte Version des Handbuchs «Ökologie und Entsorgung im Gesundheitswesen».
Im Frühling hat die Gesundheitsdirektion die Spitalplanung 2023 in die Vernehmlassung geschickt. Der prognostizierte Mehrbedarf bis 2032 beträgt 21%. Dieser wird getrieben durch die zunehmende Spezialisierung der Medizin, das Bevölkerungswachstum und die demografische Entwicklung der Bevölkerung. Der Anteil an älteren Patientinnen und Patienten wird stetig zunehmen. Umso wichtiger ist der geplante Ausbau von Angeboten im Bereich der Altersmedizin. Die Nähe zum gewohnten sozialen Umfeld ist gerade für ältere Patientinnen und Patienten ein entscheidender Genesungsfaktor. Vor diesem Hintergrund sind die angedrohten Schliessungs- oder Teilschliessungsentscheide zu bedauern.
Unabhängig von der Spitalplanung ist die Zukunft der Zusatzversicherungen ein Dauerthema. Die Einnahmen aus den Zusatzversicherungen sind für Spitäler zur Zukunftssicherung äusserst wichtig. Die Mehrwerte der Zusatzversicherung müssen transparent sein, das verlangt die Finanzmarktaufsicht. Markus Bircher, CEO des See-Spitals, stellt im Interview mit dem VZK fest, dass die Nachfrage nach mehr Komfort, grösserem Therapieangebot oder verbesserter Zugänglichkeit zu medizinischen Leistungen ungebrochen ist.
Wie wichtig es ist, dass Spitäler auch in Zukunft gewinnbringend wirtschaften können, zeigen jüngste Zahlen zur wirtschaftlichen Bedeutung des Zürcher Spitalwesens. Die Zürcher Spitäler sind nicht nur ein wichtiger regionaler Wirtschaftsmotor. Ihre Bedeutung geht über die Kantons- und Branchengrenzen hinaus. Die gesamte Wertschöpfung des Zürcher Spitalwesens beläuft sich auf 5,1 Milliarden Franken. Davon entfallen rund 1,5 Milliarden auf mit dem Spitalwesen verknüpfte Branchen. Die Zürcher Spitäler sind auch wichtige Arbeitgeber: 2019 arbeiteten rund 33’000 Personen im Kanton Zürich in einem Akutspital, einer Rehabilitationsklinik oder einer psychiatrischen Klinik. Die Spitzenqualität der Zürcher Spitäler hat zudem positive Effekte auf die Standortattraktivität des Kantons, was sich wiederum positiv auf die Gesamtwirtschaft auswirkt.
Bis 2030 werden rund 43 000 zusätzliche Pflegefachkräfte mit Diplomabschluss benötigt. Gemäss dem neusten OBSAN-Versorgungsbericht zum Gesundheitspersonal können aber höchstens 29 000 Pflegende mit Diplomabschluss in der Schweiz ausgebildet werden. National- und Ständerat haben in der Frühjahrssession dem indirekten Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Für eine starke Pflege (Pflegeinitiative)» zugestimmt. Vorgesehen ist eine sofortige Ausbildungsoffensive. Eine Milliarde Franken fliesst in die Ausbildung, damit in der Schweiz mehr diplomiertes Pflegepersonal ausgebildet wird. Einerseits sind direkte Beiträge an die Auszubildenden vorgesehen, andererseits gehen die Mittel an Bildungsinstitutionen sowie an Leistungserbringer, die Ausbildungsplätze anbieten. Zudem können Pflegefachleute neu gewisse Leistungen ohne ärztliche Verordnung direkt mit den Krankenkassen abrechnen. Der indirekte Gegenvorschlag tritt in Kraft, falls die Volksinitiative vom Stimmvolk abgelehnt und kein Referendum ergriffen wird.
Sagen Volk und Stände jedoch Ja zur Pflegeinitiative, muss der Bundesrat dem Parlament einen Vorschlag zur Umsetzung unterbreiten. Danach wären wiederum National- und Ständerat am Zug. Die Beratung im Parlament ist erst nach den nächsten Wahlen 2023 zu erwarten. Eine Lösung liegt somit frühestens in vier bis fünf Jahren vor. Und ob das künftige Parlament trotz Annahme der Initiative nochmals eine Milliarde für eine Ausbildungsoffensive sprechen würde, ist mehr als fraglich. Denn die mit dem Gegenvorschlag vorliegende zielgerichtete, pragmatische und schnelle Lösung kam unter dem Eindruck der Corona-Pandemie zustande.
Die Anliegen der Initianten sind absolut berechtigt. Der vom Parlament verabschiedete Gegenvorschlag ist ein sinnvoller Umsetzungsvorschlag für die Initiative. Er nimmt die wichtigen Anliegen grosszügig auf. Es scheint unwahrscheinlich, dass das neue Parlament eine für das Pflegepersonal bessere Lösung verabschieden wird. Ausserdem kommen diese Massnahmen dann zu spät. Es muss jetzt gehandelt werden. Wer für eine zielführende Problemlösung ist, lehnt die Pflegeinitiative ab und stimmt damit für den rasch umsetzbaren indirekten Gegenvorschlag.
Mit dem revidierten Spitalplanungs- und Finanzierungsgesetz (SPFG) kann die Zürcher Bevölkerung auch in Zukunft auf eine ausgezeichnete Spitalversorgung vertrauen. Das fertigberatene SPFG muss im Kantonsrat noch die Schlussabstimmung überstehen, danach kann darauf aufbauend die Spitalplanung 2023 beginnen. Ziel ist es, eine bedarfsgerechte, qualitativ hochstehende, gut zugängliche und wirtschaftlich tragbare Gesundheitsversorgung der Zürcher Bevölkerung sicherzustellen.
Wichtige Grundlage für die Spitalplanung bildet auch der Versorgungsbericht. Darin ist festgehalten, dass der Bedarf an Spitalleistungen in Zukunft steigen wird. In den nächsten zehn Jahren nimmt der Anteil der Bevölkerung in der Altersgruppe 80+ stark zu. Ein besonderes Augenmerk muss auf diese Altersgruppe gelegt werden. Für sie ist nicht eine Hightech-Medizin, sondern eine qualitativ hochstehende und wohnortsnahe Akutversorgung zentral. Stationäre Einrichtungen der Grundversorgung oder spezielle ambulante Leistungen müssen vom Wohnort der Patientin oder des Patienten aus schnell und einfach erreichbar sein. Dazu zählt auch die Nachsorge nach komplexen Behandlungen und Eingriffen. Um die Besuchsfrequenz der Angehörigen zu erhöhen, sind weite Anfahrten möglichst zu vermeiden. Damit eine dezentrale Spitalversorgung kosteneffizient ist, braucht es Flexibilität bei der Ausgestaltung der Leistungsaufträge. Neu haben die Spitäler die Möglichkeit, einen Teil der Behandlungen einer Leistungsgruppe an einem Nebenstandort zu erbringen. In Zukunft wird es aber zusätzlich wichtiger werden, dass die Spitäler organisationsübergreifend in Kooperationen und Netzwerken stärker zusammenarbeiten. Hier verpasste das neue Spitalgesetz eine Chance. Leistungsaufträge können nach wie vor nicht in Kooperation, sondern müssen standortgebunden erbracht werden. Diese Regelung widerspricht der politischen Forderung nach mehr Kooperationen. Und die Covid19-Pandemie zeigte, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit der Spitäler steckt.
Trotz hoher Fallzahlen ist die Versorgung aller Covid-19-Patientinnen und -Patienten im Kanton Zürich sichergestellt. Mehr noch, die Zürcher Spitäler nehmen Betroffene aus anderen Kantonen auf und leisten einen wichtigen Beitrag zugunsten der gesamten Schweizer Bevölkerung.
Für eine funktionierende Gesundheitsversorgung ist es zudem zentral, dass jederzeit auch die Non-Covid-19-Patientinnen und -Patienten vollumfänglich behandelt werden. Möglich macht dies der grosse, unermüdliche Einsatz des Spitalpersonals einerseits und die enge Koordination und das geeinte Zusammenspiel aller Akutversorger andererseits. Die Zusammenarbeit klappt vorbildlich. Die Zürcher Spitäler haben einmal mehr bewiesen, dass sie Corona «können».
Nun ist die Politik an der Reihe. Sie muss beweisen, dass sie bereit ist, die qualitativ hochstehende medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Denn, was die Finanzierung betrifft, die grossen Probleme sind bis dato ungelöst. So ist die Behandlung von Allgemeinversicherten – dazu zählen auch die meisten Covid-19-Erkrankten – nicht kostendeckend. Dasselbe gilt für den gesamten ambulanten Bereich. Noch können die Spitäler die Defizite mit den Einnahmen aus dem Bereich der Zusatzversicherten auffangen. Diese Quersubventionierung ist aber unbefriedigend, systemfremd und nicht nachhaltig.
Die Corona-Pandemie hat die finanzielle Situation zusätzlich verschlechtert. Die Ertragsausfälle infolge des von Bund und Kanton beschlossenen Behandlungs- und Operationsverbots im Frühling bringt viele Leistungserbringer an ihre Grenzen. Bund und Kanton hatten den Spitälern einen eindeutigen Auftrag zur Bereithaltung von leeren Betten erteilt, um grosse Kapazitäten für die möglichen Krankheitsfälle zu schaffen. Diesen Auftrag will der Bund nun gar nicht, der Kanton nur zu einem kleinen Teil abgelten. Im Restaurant würde man von Zechprellerei sprechen. Obwohl die Spitäler als systemrelevant gelten und viel geklatscht wurde, ist das konkrete Bekenntnis der Politik zur Gesundheitsversorgung ernüchternd. Das lässt die Alarmglocken läuten.