Neues Wissen als zentraler Faktor

Diese Pandemie hat in ihrer Dauer, ihrer Intensität und ihren Auswirkungen auf den verschiedenen Ebenen wohl alle überrascht. Wie nachhaltig sie die Gesellschaft prägen wird, ist noch offen. Ich bin aber überzeugt, dass die Spitäler viel gelernt haben und dass das Bewusstsein in der Öffentlichkeit in Bezug auf die Relevanz eines funktionierenden Gesundheitssystems deutlich gestiegen ist. An dieser Stelle möchte ich der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich und speziell Regierungsrätin Natalie Rickli für die gute Zusammenarbeit und die stete Unterstützung danken. Diese stabile Basis war ein wesentlicher Faktor, um unsere Rolle effektiv und effizient wahrnehmen zu können.

Das USZ hat als Zentrumsspital von Anfang an einen beträchtlichen Beitrag zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie geleistet. Beeindruckend war für mich der rasche Erkenntnisgewinn, sowohl in der Klinik als auch in der Forschung. Die ersten Forschungsprojekte wurden bereits nach wenigen Wochen lanciert. Bis heute wurden über 50 Projekte und rund 15 klinische Studien durchgeführt. Und zwar in der ganzen Bandbreite der Themen: von der Entwicklung und Validierung unterschiedlicher Testverfahren über die Verbesserung der Diagnostik bis hin zu Wirksamkeitsstudien von Medikamenten. Als zentral erwies sich dabei unser Clinical Trials Center, das insbesondere auch dafür sorgte, dass eine systematische Datensammlung sowie eine zentrale Bio-Bank entstanden sind. In der klinischen Betreuung der Patientinnen und Patienten haben wir sehr viel gelernt und wir dürfen uns im europäischen Vergleich zu den Spitälern mit den tiefsten Mortalitätsraten zählen. Und dies bei einem ausserordentlich hohen durchschnittlichen Schweregrad.

 

Es braucht ein tragendes Netzwerk

Zugleich wurde aber auch deutlich: Eine solche Herausforderung kann niemand allein meistern. Es braucht den Verbund. Der Austausch zwischen den Universitätsspitälern ist seit Jahren etabliert und kam in dieser Situation zum Tragen. Auch die Zusammenarbeit innerhalb des Kantons Zürich, mit der Gesundheitsdirektion und innerhalb des VZK mit den anderen Spitälern sowie über die Kantonsgrenzen hinaus funktioniert sehr gut. In den beiden Jahren 2020 und 2021 hat das USZ Patientinnen und Patienten aus 21 Kantonen behandelt. Insgesamt hat das USZ 2021 über 1000 Covid-19-Patientinnen und -Patienten therapiert, sprich sogar 9 Prozent mehr als im ersten Pandemiejahr. Über die beiden Jahre gesehen, lagen beinahe 500 Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen. Die Mitarbeitenden unserer Intensivstationen standen entsprechend unter andauernd hoher Belastung.

Das USZ versteht sich als Zentrumsspital und bietet spezialisierte und hochspezialisierte Medizin an. Daher war die Übernahme der schwerstkranken Patientinnen und Patienten durchaus folgerichtig. Allerdings bindet diese Pflege enorme Ressourcen, was nicht vollumfänglich entschädigt wird. Rückblickend stelle ich fest, dass das USZ in den zwei Jahren Pandemie einen überproportional grossen Beitrag geleistet hat.

 

Personal als Schlüsselfaktor

Überdeutlich haben sich in dieser Pandemie schliesslich die Mitarbeitenden als entscheidend herauskristallisiert: Ohne die Menschen, ohne das spezialisierte und engagierte Personal lassen sich auch die besten Infrastrukturen nicht betreiben. Und für dieses Personal waren die vergangenen beiden Jahre äusserst anspruchsvoll. Das USZ hat sich sehr dafür eingesetzt, die Mitarbeitenden wo immer möglich zu entlasten. So haben wir beispielsweise am Dreischichtbetrieb festgehalten, haben in keiner Phase einen Ferienstopp verhängt und haben ein breites Unterstützungsangebot bereitgestellt. Aber es ist so: Der Fachkräftemangel macht fast allen Spitälern zunehmend zu schaffen. Er dürfte in den nächsten Jahren, auch ohne Pandemie, eines der zentralen Themen bleiben.

Was wir erfreulicherweise aber ebenso beobachten: Das Interesse an einer Ausbildung im Gesundheitswesen generell, aber speziell zur Expertin oder zum Experten Intensivpflege ist gross. Im Jahr 2022 sind bereits sämtliche Lehrgänge vollständig belegt. Dieser Trend ist erfreulich und es gilt, ihn zu verstärken. Denn dass wir die Fachkräfte benötigen, ist unbestritten. Und zwar unabhängig davon, ob uns im kommenden Herbst und Winter eine neuerliche Welle der Covid-19-Pandemie erwartet.

 

Gregor Zünd, CEO, Vorsitzender der Spitaldirektion Universitätsspital Zürich

Zu den positiven Punkten gehört sicher die sehr gute und intensive Zusammenarbeit der VZK-Spitäler untereinander. Wir haben einen Verhaltenskodex vereinbart: Ein gegenseitiges Versprechen, um uns zu unterstützen und Patientinnen und Patienten in dem Spital unterzubringen, wo sie am besten behandelt werden. Der tägliche Austausch und die unkomplizierte Verlegung von Betroffenen haben gezeigt, dass diese Zusammenarbeit hervorragend funktioniert hat.

Überdies zeigte sich während der Pandemie die Wichtigkeit eines nahen Regionalspitals mit einem umfassenden Leistungsangebot noch klarer. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung hat sich diesbezüglich verbessert – man schätzt ein regionales, gut funktionierendes Gesundheitswesen. Und nicht zuletzt bestätigt mir die Krise, dass es die Mitarbeitenden des See-Spitals sind, die sich tagtäglich engagiert und pflichtbewusst für das Wohl unserer Patientinnen und Patienten einsetzen. Sie sind die tragende Stütze.

 

Welche Herausforderungen haben sich bei der Covid-19-Bewältigung gezeigt?

Die Krise hat den Personalmangel im Gesundheitswesen weiter verschärft. Man ist frustriert, überlastet, ausgebrannt, viele schmeissen den Bettel hin und verlassen den Beruf. In der Folge muss eine immer grösser werdende Arbeitslast auf immer weniger Schultern verteilt werden. Ein Teufelskreis, den es unbedingt zu durchbrechen gilt.

Überdies hat die Pandemie unsere permanente Anpassungsfähigkeit gefordert. Ohne ein Höchstmass an Flexibilität hätten wir es nicht geschafft, innert kürzester Zeit ein Impfzentrum und ein Testcenter in Betrieb zu nehmen sowie eine Long-Covid-Sprechstunde zu etablieren.

 

Wie haben Sie persönlich die Covid-19-Pandemie erlebt?

Das Wichtigste war, den ordentlichen Spitalbetrieb aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig hatte ich die Aufgabe, die Entstehung des künftigen Gesundheitscampus Horgen voranzutreiben. Hierbei konnte ich auf ein starkes Team mit grossem Teamgeist bauen. Ich freue mich darauf, dass wir allen Widrigkeiten zum Trotz termingerecht im September 2022 unseren Neubau eröffnen können.

 

Was Sie schon immer sagen wollten …

Ich bin stolz auf das ganze See-Spital-Team.

 

Dr. Markus Bircher, CEO, See-Spital Horgen und Kilchberg

Leistungen des Personals sind schier unglaublich

Ich möchte mit etwas Positivem beginnen, das mir persönlich am Herzen liegt: Was das schweizerische Gesundheitswesen und vor allem das Personal – und das gilt für jede Stufe und jede Funktion – geleistet haben, ist bemerkenswert und schier unglaublich. ZURZACH Care verfügt über mehr als zwanzig Standorte, alleine in Zürich sind es deren fünf. Diese Dezentralität in einer Zeit, in welcher der persönliche Kontakt stark eingeschränkt bis unmöglich war, erfordert ein noch höheres Mass an selbstständigem Arbeiten und an individueller Kompetenz. Das kann man nicht einfach erwarten und dennoch wurde es von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Tag gelegt mit dem Effekt, dass sogar neue Geschäftsfelder und Partnerschaften erschlossen werden konnten.

 

Spezifische Schutzmassnahmen erfordern Achtsamkeit

Die Covid-19-Pandemie in den letzten zwei Jahren war geprägt von diversen Regulationen auf Bundesebene, kantonaler Ebene und in den einzelnen Unternehmen. Das führte auch bei ZURZACH Care zu Veränderungen, insbesondere zu notwendigen Einschränkungen. Ein Grossteil unserer Patientinnen und Patienten sind Teil der Risikogruppe und brauchen spezifische Schutzmassnahmen, um deren Sicherheit gewährleisten zu können. Wenn zeitweise die Regelungen für die Gesamtbevölkerung gelockert wurden, bedeutete das für uns keine Rückkehr zur Normalität, sondern ein umso grösseres Mass an Achtsamkeit – auf Stufe Personal, Standort und Gesamtunternehmen.

 

Menschlicher, empathischer und fürsorglicher Umgang

Als Unternehmen in der Gesundheitsversorgung war es das Ziel von ZURZACH Care, weiterhin eine hohe Qualität der medizinischen Betreuung als auch des menschlichen, empathischen sowie fürsorglichen Umgangs zu gewährleisten. Individuelle Überzeugungen und Vorstellungen mussten zugunsten des Gesamten und Einheitlichen zurückstehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren sich ihrer Verantwortung bewusst und engagierten sich in besonderem Masse für die Umsetzung der Schutzmassnahmen. Nur so war es möglich, den Patientinnen und Patienten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen grösstmöglichen Schutz vor Ansteckung zu bieten.

 

Kooperationen helfen bei der Krisenbewältigung

In dieser prägenden Zeit spielten Kooperation und Vernetzung auf allen Ebenen eine wichtige Rolle. Die Zusammenarbeit mit dem VZK war ausgesprochen gut und hilfreich. Zum einen rührte dies daher, dass bereits vor der Pandemie ein solides und auf gegenseitigem Vertrauen basierendes Fundament erschaffen wurde. Wir schätzen die starke Interessensvertretung gegenüber den vielseitigen Anspruchsgruppen und die Leistungen, die der VZK erbringt. Zum anderen ermöglichen das gemeinsame Vorgehen hinsichtlich Qualität und Prozessen sowie die regelmässigen Austauschgefässe der Geschäftsleitungen sowie Klinikdirektorinnen und -direktoren starke persönliche Netzwerke und die Etablierung von hohen Standards. Ein breit abgestütztes und qualitativ hochstehendes Gesundheitswesen ist dann eben auch in der Lage, ausserordentliche Situationen wie die Covid-19-Pandemie zu bewältigen und dabei das Wohl der Patientinnen und Patienten stets als höchstes Gut zu bewahren.

 

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Worauf ich mich nun besonders freue, sind die direkten Kontakte mit Partnern und der Austausch auf den Gängen mit dem Personal. Zwar bedeutet die neue Ausgangslage für uns keinen Normalbetrieb, doch immerhin eine gewisse Entspannung. Auch die wirtschaftliche Perspektive ist positiv, wenn die Situation sich 2022 stabilisiert. Seit der Aufhebung der Beschränkung elektiver Eingriffe verzeichnen wir fast wieder eine Auslastung wie in der Zeit vor der Pandemie. Das erleichtert die Planung und schafft dadurch etwas Entlastung. Zugleich schaue ich voller Zuversicht auf die Wiedereröffnung der Rehaklinik Spital Limmattal, die wir aufgrund der stark zurückgegangenen Unfallzahlen temporär geschlossen haben.

Zu guter Letzt gebührt mein aufrichtiger Dank allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich trotz dieser Strapazen sowie der physischen und psychischen Belastung für die Bevölkerung stark gemacht haben. Sie sind über sich hinausgewachsen und haben unzählige Leben in einer Situation gerettet, in der das Lachen teilweise nur noch schwer möglich war. Vor dieser Leistung ziehe ich den Hut und ich bin stolz, dass ich als Geschäftsführer der Region Zürich von ZURZACH Care auf solche Menschen zählen darf. Es bleibt zu hoffen, dass wir von grösseren Virusmutationen verschont bleiben und ein Leben mit Covid-19 ohne die Grenzerfahrungen der letzten zwei Jahre möglich ist. Zumindest wissen wir, dass wir mit einer guten Zusammenarbeit fast alle Situationen meistern können.

«Das Zürcher Gesundheitswesen hat seine Leistungsfähigkeit eindrücklich gezeigt»

 

Daniel Wenger, Geschäftsführer ZURZACH Care Zürich

Welche positiven Erkenntnisse ziehen Sie aus den Erfahrungen bei der Covid-19-Bewältigung?

Positive Erkenntnisse bestehen vor allem darin, dass sich ein Anteil an Neuerungen, die aufgrund von Pandemiemassnahmen in den Alltag eingeflossen sind, bewährt hat und künftig weitergeführt wird. So haben sich zum Beispiel digitale Behandlungsformen durchgesetzt. Diese Entwicklungen wären vielleicht ohne Pandemie gar nicht zustande gekommen oder hätten sich nicht gleich deutlich etablieren können. Für die gute Bewältigung war vor allem die unermüdliche Koordination aller Teilnehmenden wichtig. Dabei hat der VZK eine essenzielle Rolle in der Taskforce der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich gespielt. Er hat als Bindeglied zu den Spitälern sehr entlastend gewirkt und vor allem eine rasche und zeitnahe Information sichergestellt. So war die Mitsprache der psychiatrischen Kliniken, obwohl nicht alle durch den kantonalen Verband vertreten werden, ebenfalls einbezogen. In der Krise haben sich Grenzen verschoben, um in der Sache gemeinsam zu bestehen. Das ist eine gute Erfahrung.

 

Welche Herausforderungen haben sich bei der Covid-19-Bewältigung gezeigt?

Die Herausforderungen nach dem ersten Jahr mit einer akuteren und sehr volatilen Vorgehensweise haben sich 2022 mehr hin zu einem On-/Off-Massnahmenmanagement entwickelt. Für die Führung war es nicht immer einfach, Personal und Patientinnen und Patienten von den Schutzvorgaben – ob umsetzen oder absetzen – zu überzeugen. Die zwischenmenschlichen gewohnten Kontaktpunkte in einer Unternehmenskultur sind verloren gegangen, neue Mitarbeitende kennen den Klinikalltag nicht im Normalzustand. Die verminderte Kommunikation in der persönlichen Form, als wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeitspflege, hat zu einer Teilentfremdung über die Teamgrenzen hinaus geführt. Die Rückkehr zu den ursprünglichen Formen fühlt sich wie die Neulancierung von Kommunikationsinstrumenten an.

 

Wie haben Sie persönlich die Covid-19-Pandemie erlebt?

Die Aufgabe des Krisenmanagements war sehr spannend und bereichernd. In solchen Situationen sind die Normen der gewohnten Umfeldfaktoren aufgeweicht. Es gelten neue Zielvorgaben mit entsprechendem Umsetzungsdruck. Und dennoch muss das Vertrauen in die Führung aufrechterhalten bleiben. Die Unsicherheit in Krisen ist immens. Die Herausforderung besteht darin, rasch eine Sicherheitsinsel in der Unsicherheit zu schaffen. Wenn diejenigen, die trotz aller Vorgaben und Infektionsrisiken jeden Tag in die Institutionen zur Arbeit kommen mussten, die Arbeitsplätze als sicher empfunden haben und ihren Ängsten begegnet werden konnte, so ist viel erreicht. Nie zuvor wurde für mich so deutlich wie in der Pandemie spürbar, wie systemrelevant wir in dem sind, was wir täglich in einer Selbstverständlichkeit tun. Wir sind das Gesundheitswesen. Wir sind die Versorgung für die Menschen – rund um die Uhr. Das sollte uns allen genug wert sein.

 

Gedanken zur Zukunft: Umsetzungsvorbereitungen für das neue Anordnungsmodell (AOM)

Der Bundesrat hat mit einer Gesetzesanpassung mit Umsetzung ab spätestens 1. Januar 2023 den Wechsel vom Delegationsmodell der Psychotherapie zum Anordnungsmodell veranlasst. Dies zieht vor allem Fragen bei den niedergelassenen Psychiatern zur Neuorganisation der Zusammenarbeit mit den psychologischen Psychotherapeuten nach sich. Das AOM stellt die Modernisierung der interprofessionellen Zusammenarbeit dar und ermöglicht den psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten, neu selbstständig innerhalb der OKP direkt mit den Krankenkassen abzurechnen.

Die Kantone haben die Kompetenz und Verantwortung zur Zulassung. Da die nicht ärztliche Berufsgruppe nicht unter KVG Art 55a fällt, besteht keine Handhabe, die Zulassung zu beschränken. Dies hat bereits zu einer Vielzahl von Bewilligungsanträgen geführt. Durch ein deshalb rasant wachsendes Angebot von niedergelassenen Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die mit der aktuellen Ausbildung keine Fachkompetenzen aufweisen, um schwere psychische Krankheitsbilder behandeln zu können, befürchten die Fachvertretungen aus dem niedergelassenen und dem institutionellen psychiatrischen Bereich, dass es deswegen zu einer Mengenausweitung kommt. Denn der effektive Bedarf liegt – und dort hat sich der Bundesrat die Ziele zur psychiatrischen Versorgungsverbesserung auch gesetzt – bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, bei der Notfall- und Krisenintervention sowie geografisch in ländlichen Regionen.

Dies hat die institutionelle Psychiatrie im Berichtsjahr stark beschäftigt und wird sie 2023 auch noch stark fordern. Auch wenn in den Institutionen selbst die neue gesetzliche Vorgabe die Organisation der interprofessionellen Zusammenarbeit und die Abrechnungsmodalitäten nicht tangiert, wird sich die Veränderung in der niedergelassenen Versorgungslandschaft auf die Spitalambulatorien auswirken. Das Patientenprofil wird einen Shift erfahren, denn schwere Fälle werden im Praxenmarkt nicht vermehrt aufgenommen.

 

Nanda Samimi, CEO, Forel Klinik, Ellikon an der Thur

Von der Covid-19-Pandemie stark betroffen

Die Alters- und Pflegeinstitutionen waren von der anhaltenden Covid-19-Pandemie erneut stark betroffen. Die Gesundheitsdirektion lieferte in oft kurzen Intervallen neue oder verschärfte Schutzmassnahmen, welche unseren Alltag mit Präventions- und Interventionsmassnahmen belegten. Diese in Form von Verfügungen eintreffenden Auflagen, teilweise begleitet von Strafandrohungen, erreichten uns üblicherweise am Freitagnachmittag mit einer Umsetzungsfrist bis zum folgenden Montag, inklusive Anpassung der internen Schutzkonzepte. Für viele Betriebsleitungen haben diese Vorschriften – neben dem schon anspruchsvollen Tagesgeschäft – zu schwierigen Situationen geführt. Die Auswirkungen auf die Betriebsabläufe liessen kaum Zeit, eine vernünftige und vorausschauende Kommunikation an die Bewohnenden und Angehörigen vorzunehmen, was mehrfach zu Irritationen, Unverständnis und aggressiven Rückmeldungen an die Betriebsleitungen führte.

Einzelne präventive Schutzmassnahmen haben zu einer sozialen Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner geführt. In der Presse wurde die Situation mehrfach stark polarisiert mit Aussagen über Todesfälle, über hohe Ansteckungsgefahr und Sterblichkeit in den Altersheimen sowie über Bewohnerinnen und Bewohner, die isoliert und eingesperrt leben. Das Image und die Reputation von Alters- und Pflegeheimen sind seither stark angeschlagen, was zu einem deutlichen Einbruch bei der Nachfrage nach Pflegebetten führte. Fast alle Betriebe im Kanton Zürich kämpfen heute mit einer massiven Unterbelegung, welche wohl noch lange anhalten wird.

 

Neue, zusätzliche Dynamik

Ich hätte mir von der Presse gewünscht, dass sie die ausserordentlichen Leistungen der Mitarbeitenden in den Pflegeinstitutionen stärker gewürdigt hätte. Covid-19 bedeutete, neben den Einschränkungen für die Bewohnenden, auch immer wieder sehr hohe Zahlen von ausfallenden Mitarbeitenden. Die Aufrechterhaltung des Tagesbetriebes mit einer Vielzahl von Mitarbeitenden in Quarantäne oder sogar mit einer Covid-19-Erkrankung war sehr herausfordernd. Irritierend waren auch immer wieder die Mitteilungen des BAG, ob nun Mitarbeitende mit Symptomen arbeiten dürfen oder müssen. Es verwundert nicht, dass sich viele Pflegende aus dem Beruf zurückgezogen haben und wir heute von einem ausgetrockneten Personalmarkt betroffen sind.

Ein interessanter Schauplatz war auch die Diskussion um die Übernahme von Patientinnen und Patienten, welche frühzeitig aus den Akutspitälern in die Pflegeheime wechseln sollten, bzw. die Übernahme von frühentlassenen Patientinnen und Patienten zur Entlastung der Akutspitäler. Parallel zur Aufforderung des behördlichen Krisenstabes an die Gemeinden, Turnhallen für die Betreuung von Patientinnen und Patienten umzurüsten, wurden die Pflegezentren mit der oben erwähnten Auflage konfrontiert. Wir haben unseren Partnern in der Akutsomatik unseren Willen und die Bereitschaft bekundet, leere Abteilungen oder Betten zur Verfügung zu stellen. Nach unserer Auffassung handelte es sich jedoch um «Patientinnen und Patienten der Akutsomatik» und nicht um Bewohnende der Langzeitpflege oder der Akut- und Übergangspflege.

 

Wie kann die Finanzierung sichergestellt werden?

Deshalb hat das Netzwerk die Gesundheitsdirektion um eine Verfügung für eine spezielle, höhere finanzielle Abgeltung für diese besondere und herausfordernde Aufgabe angefragt. Die Gesundheitsdirektion verwies auf die Tarife der Langzeitpflege und auf die Finanzierungspflicht durch die Gemeinden. Aus diesem Grunde haben die Institutionen der Langzeitpflege ihre Bereitschaft zurückgezogen.

Dieser Aspekt lässt mich zu den Aufgaben und Themen des Netzwerkes im Jahr 2021 übergehen. Ein Hauptthema war das Projekt Spezialisierte Versorgung/Finanzierung. Mit Dr. Alphons Beat Schnyder, Meta-Cultura Zürich, hat sich eine Arbeitsgruppe mit Zeitmessungen und Abstimmen von Kostenrechnungen beschäftigt und eine Studie erarbeitet, wie die spezialisierte Versorgung, die Psychogeriatrie, die Palliative Care, die Akut- und Übergangspflege sowie allenfalls die Demenzbetreuung korrekt tariflich abgebildet werden können.

 

Grosser Dank

Zum Schluss möchte ich meinen Dank an die Mitglieder des Netzwerkes für ihr engagiertes Mitdenken und an die Geschäftsführung des VZK für die Unterstützung in unseren Projekten sowie auch für die Vernetzung mit den Direktorinnen und Direktoren in der Akutsomatik aussprechen. Dies ist ja letztlich auch der Zweck unserer gemeinsamen Bestrebungen, die Versorgungskette zu garantieren.

 

Markus Sprenger, CEO, Gesundheitszentrum Dielsdorf und Vorsitzender Netzwerk Zürcher Pflegezentren (NZP) VZK

Der Zoo Zürich als Veranstaltungsort für die Jubiläumstagung

Die Konferenzen der Ökologiekommission des VZK/H+ finden jeweils ausserhalb der gewohnten Spitalumgebung statt. Das diesjährige Thema war die Kreislaufwirtschaft. Und hier ist der Zoo Zürich ein Vorbild. Das Denken in Kreisläufen ist quasi in seiner DNA verankert. Das hat einen guten Grund: Der Zoo kann praktisch nichts von der Stange kaufen. Fast alles ist exakt auf die sehr speziellen Bedürfnisse abgestimmt. Wegen dieser Individualität kommt den Materialien eine grosse Bedeutung zu. Sie werden so gewählt, dass sie in Zukunft auch für andere Anwendungen wiederverwendet werden können. In Sachen nachhaltiges Denken ist man beim Zoo deshalb vielen Einrichtungen einen Schritt voraus.

 

Gemeinsamkeiten des Zoos mit einem Spital

Natürlich kann man den Zoo nur bedingt mit einem Spital vergleichen. Aber gerade bei der Planung von Investitionen gibt es Parallelen. Auch wir müssen beim Kaufentscheid immer überlegen, inwiefern eine Anschaffung auch nach Ablauf der vorgesehenen Nutzungsdauer weiterverwendet werden kann oder welche Anforderungen es an deren Entsorgung gibt. Die Materialisierung wird also auch bei uns immer wichtiger. Die optimierte Wiederverwendung und Entsorgung haben in Sachen Nachhaltigkeit eine grosse Hebelwirkung.

 

Ökologische Hotspots von Spitälern

Bei den Spitälern ist das Thema Energie besonders wichtig. Spitäler haben einen grossen Strom- und Wärmebedarf. Elektrische Geräte müssen rund um die Uhr laufen. Wäsche und Gerätschaften müssen aus Hygienegründen bei sehr hohen Temperaturen gereinigt werden. Der ökologische Fussabdruck wird aber auch durch andere Faktoren beeinflusst. In Spitälern werden viele Lebensmittel verarbeitet, die Reduktion von Lebensmittelabfällen verbessert unsere Ökobilanz. Und eine sinnvolle und korrekte Entsorgung ist ein Riesenthema bei uns. Bei uns fallen sehr viele medizinische Sonderabfälle an. Das «Entsorgungshandbuch» bietet den Spitälern die nötige Unterstützung bei der ökologischen Entsorgung. Das Thema Entsorgung ist tatsächlich der Grund, warum vor 30 Jahren die Ökologiekommission ins Leben gerufen wurde.

 

Bauen und Foodwaste

Neubauten und Gebäudesanierungen bringen aus ökologischer Sicht enorm viel. Die Energiewerte lassen sich durch neue Bauweisen und innovative Gebäudetechnik erheblich verbessern. Am Erweiterungsbau des GZO Wetzikon wird gerade gebaut. Das Gebäude wird den Gebäudeenergiestandard «Minergie P» erreichen. Ein weiterer Ansatzpunkt, den wir akribisch verfolgen, liegt beim Catering. Wir versuchen Food Waste im Spital möglichst zu vermeiden. Beispielsweise fragen wir die Patientinnen und Patienten vor dem Essen nach ihrem Hunger und bedienen sie mit Portionen, die ihrem Appetit entsprechen.

 

Die Ökologiekommission VZK/H+

Seit 30 Jahren setzt sich die Ökologiekommission VZK/H+ für mehr ökologisches Bewusstsein ein und berät Spitäler diesbezüglich. In den letzten 30 Jahren hat das Thema Ökologie in der Gesellschaft deutlich an Bedeutung gewonnen. Und letztlich sind auch die Spitäler ein Abbild der Gesellschaft. Die Ökologiekommission vernetzt die Institutionen und bietet ihnen den Blick über den Tellerrand hinaus. Wir tauschen uns branchenübergreifend aus, halten Ausschau nach Trends und Best Practices und bringen diese Inputs in die Institutionen ein. Denn eines ist klar: Einen ökologischen Einfluss hat nicht nur jede einzelne Person, sondern vor allem das Kollektiv. Wir müssen alles dafür tun, dass jedes Spital, und damit meine ich nicht nur die Zürcher Spitäler, nach seinen Umständen und Gegebenheiten das ökologische Optimum erreicht. Dazu leistet die Kommission einen wichtigen Beitrag: gestern, heute und in Zukunft.

 

von links:

 

 

Matthias P. Spielmann, Präsident Ökologiekommission VZK/H+ und CEO GZO Spital Wetzikon