Geschäftsbericht

Gemeinsam integriert

11. Mai 2025
Der Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) ist der grösste Verband der Gesundheitsversorger im Kanton Zürich. Er zeichnete sich bisher als repräsentative Vertretung der akutsomatischen Kliniken, Rehabilitationskliniken, Spezialkliniken und Pflegezentren im Kanton Zürich mit 31 Mitgliedern aus, die rund 36’000 Mitarbeitende beschäftigen und 230’000 stationäre Patientinnen und Patienten behandeln.

Im Bereich der Psychiatrie waren bislang die Forel Klinik AG und die psychiatrischen Abteilungen des Universitätsspitals Zürich, des Universitäts-Kinderspitals Zürich, des Kantonsspitals Winterthur und der Spital Affoltern AG vertreten. Im Februar 2024 durfte der VZK fünf psychiatrische Kliniken aufnehmen. Mit dem Beitritt der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK), der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), der Clienia Schlössli AG, der Sanatorium Kilchberg AG und der Privatklinik Hohenegg AG machte der VZK einen grossen weiteren Schritt in Richtung integrierte Versorgung. Der VZK vertritt neu nun 36 Institutionen, die rund 43’100 Mitarbeitende beschäftigen und 254’000 stationäre Patientinnen und Patienten und Bewohnende behandeln und beherbergen.

Die Zürcher Gesundheitsinstitutionen befinden sich auf einer Achterbahn. Die finanzielle Situation verschlechtert sich zusehends infolge erhöhter Ausgaben, getrieben durch die Teuerung und Lohnmassnahmen, und wegen den sich nicht gleichermassen entwickelnden Einnahmen, begründet durch die zu tiefen Tarife. Dazu kommt der zunehmende Fachkräftemangel, die ungenügende Digitalisierung sowie die überbordende Regulierung und Bürokratie.

Trotzdem wird in den Zürcher Gesundheitsinstitutionen während 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag die Gesundheitsversorgung weit über die Kantonsgrenzen hinaus sichergestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen jeden Tag mit grossem Einsatz und Engagement, mit Herzblut und Kompetenz hervorragende medizinische, pflegerische und medizintechnische Leistungen und gewährleisten eine ganzheitliche Versorgung – gemeinsam mit unseren Partnern im Gesundheitswesen.

The same old stories oder wohin des Weges im Gesundheitswesen?

Gebetsmühlenartig predigen wir vermeintlich Sachverständigen, was zu tun wäre, damit wir den erreichten hohen Versorgungsstandard im schweizerischen Gesundheitswesen künftig sichern können. Dabei laufen wir in der Auseinandersetzung um unser Gesundheitssystem täglich Gefahr, die heeren Absichtserklärungen zu unterlaufen mittels eines andauernden Kostenröhrenblicks. Anspruch und Wirklichkeit beginnen auseinanderzuklaffen und das politische System drückt sich davor, der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken, wenn es darum ginge auf bisher lieb Gewonnenes zu verzichten oder die Konsequenzen zu tragen, wenn wir alle unser Anspruchsverhalten im Zeichen des demografischen Wandels beibehalten wollen. Es sind seit einigen Jahren die ewig gleichen Geschichten, mit denen wir uns im Verband Zürcher Krankenhäuser auseinandersetzen und vieles trägt dabei den Namen «Blockade».

Tarife

Die Tarife sind im Bereich der allgemeinversicherten stationären Patientinnen und Patienten und in der spitalambulanten Versorgung seit vielen Jahren nicht kostendeckend. Infolge der Teuerung und Lohnmassnahmen, welche die Ausgaben zusätzlich gesteigert haben, und der sich aufgrund zu tiefer Tarife nicht in gleichem Masse entwickelnden Einnahmen, wird der Druck auf die Gesundheitseinrichtungen erhöht.

Hoffnungsvoll stimmen uns die Einigungen mit der Einkaufsgemeinschaft HSK (Helsana, Sanitas, KPT), der CSS und der SWICA, die Fallpauschalen und den Taxpunktwert zu erhöhen. Auch wenn damit die tarifliche Unterdeckung im stationären Bereich und die tariflichen Fehlanreize im spitalambulanten Sektor noch nicht behoben sind, so stellen diese partnerschaftlichen Tariflösungen dennoch einen Schritt in die richtige Richtung dar.

Damit die Gesundheitsversorgung mit der gewohnten Qualität und Zugänglichkeit gesichert werden kann, sind weitere Erhöhungen notwendig. Denn der wachsende Bedarf infolge des demografischen Wandels und der Akzentuierung des Fachkräftebedarfs werden die Ausgaben weiter steigern.

Digitalisierung

In Anbetracht des zunehmenden Fachkräftemangels ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen ein Schlüsselfaktor für die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgungssicherheit der Bevölkerung.

Mit dem Digitalradar (www.digitalerreifegrad.ch) bietet der VZK eine gute Plattform, damit die Gesundheitseinrichtungen die richtigen Entscheidungen bezüglich digitaler Transformation fällen können.

Bei der Digitalisierung nimmt das Thema Datenschutz einen immer wichtigeren Stellenplatz ein. Es gilt, die Daten der Patientinnen und Patienten zu schützen und gleichzeitig die Chancen der globalen Digitalisierung und Anwendung von künstlicher Intelligenz bei Diagnostik und Therapie zu nutzen. Die Intensität der Arbeiten hat bei diesem Thema für die VZK-Geschäftsstelle deutlich zugenommen.

Der Stand der digitalen Transformation im schweizerischen Gesundheitswesen mit Blick in die Zukunft ist ein Trauerspiel. Bislang wollte man Digitalisierung mit Verpflichtung und Zwang durchsetzen. In Zukunft ist der Fokus von der Regulierung der Digitalisierung auf die Umsetzung mittels Anreizen zu richten. Ansonsten verlieren wir den Anschluss an eine zukunftsgerichtete, innovative Patientenversorgung.

Halten wir uns als Beispiel nur das «Projekt» EPD vor Augen. Das eidgenössische Parlament hat im 2014 eine unausgegorene Vorlage verabschiedet, die bis heute schweizweit nur gekostet und keinen Patientennutzen gebracht hat. Der Bundesrat hat angekündigt, dass er die Gesetzesgrundlagen revidieren will. Nun harren wir der Dinge, die da kommen.

Ambulantisierung

Die Schweizer Stimmbevölkerung hat am 24. November 2024 für die einheitliche Finanzierung im Gesundheitswesen (einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen, EFAS) gestimmt und damit einer wichtigen Revision zum Durchbruch verholfen. Der VZK unterstützte die Vorlage und freut sich über die Zustimmung.

Der Systemwechsel hin zur ambulanten, integrierten Versorgung hat den Vorteil, dass die Patientinnen und Patienten früher wieder nach Hause gehen können und schneller gesund werden. Und er wirkt sich positiv auf die Kostenentwicklung aus – bei gleichbleibender Qualität. Und bedeutend ist dieser Schritt insbesondere auch zur Entlastung der Gesundheitsfachpersonen, weil u.a. weniger Nachtschichten anfallen.

Damit die Ambulantisierung tatsächlich vorangetrieben wird und umsetzbar ist, müssen die Tarife als Anreize dienen. Auf dem bisherigen Niveau wirken sie wie ein Bremsklotz.

In der gegenwärtigen Diskussion mühen wir uns mit einigen löblichen Ausnahmen damit ab, Projekte in Gang zu setzen, welche die gewünschte Ambulantisierung vorantreiben. 2028 steht schon längst vor der Tür!

VZK-Tagung Gesundheitsversorgung

Bereits im letzten Jahr hatten wir uns dem zentralen Thema «Fachkräftemangel» an der VZK-Tagung angenommen. Als wichtige Elemente der Lösung wurden folgende Punkte identifiziert: Weg vom Kostenröhrenblick hin zum Fokus auf Versorgungssicherheit und Qualität, Reduktion der Regulierung und Bürokratie und Förderung der Digitalisierung. Im Zentrum stand der Shift von «stationär» zu «stationär, spitalambulant, integriert» als wirksamste Lösung, um den Fachkräftemangel nachhaltig zu reduzieren.

Dieses Jahr drehte sich die Tagung um das Thema «Fachkräftemangel 2.0: rettet uns die Digitalisierung?». Den Start machten interessante Inputs aus der Praxis zu den Themen: Was bringt die Ambulantisierung? Was bringen neue Arbeitsmodelle? Dann gingen wir der Frage nach, wie die Digitalisierung, das elektronische Patientendossier (EPD), DigiSanté und die Standardisierung den Fachkräftemangel entschärfen können. Und wie kann man als Institution seinen digitalen Reifegrad messen und vergleichen? An der anschliessenden Podiumsdiskussion kam klar zum Ausdruck, dass die Ambulantisierung ein grosses Potenzial hat, um den Fachkräftemangel zu entschärfen. Man war sich auch einig, dass entsprechende tarifliche Anreize gesetzt werden müssen. Im Rahmen der Digitalisierung zeigten alle die Chancen aus ihrer jeweiligen Perspektive auf.

Die Themen sind gesetzt und wie oben dargestellt allseits bekannt. Wir freuen uns, als VZK auch in Zukunft an unseren Tagungen einen engagierten und fordernden Beitrag zum Austausch und gegenseitigen Lernen zu leisten.

Und was war sonst noch wichtig im VZK im 2024?

Netzwerk Zürcher Pflegezentren VZK

Die kantonale Pflegeheimbettenplanung hat das Netzwerk Zürcher Pflegezentren (NZP) des VZK intensiv beschäftigt. In verschiedenen Teilprojektgruppen wurde mitgearbeitet.

Die Mitglieder des NZP VZK erbringen neben den herkömmlichen Dienstleistungen der Langzeitpflege auch Leistungen der spezialisierten Langzeitpflege und der Akut- und Übergangspflege (AÜP). Bei der spezialisierten Langzeitpflege sind dies insbesondere die spezialisierte Palliative Care, die spezialisierte Psychiatriepflege und die spezialisierte Gerontopsychiatrie. Diese setzen höhere Anforderungen (Personal, Infrastruktur, etc.) voraus, welche höhere Kosten zur Folge haben. Mit dem aktuellen Finanzierungssystem der Normkosten, der Beiträge der Versicherer und den Normdefiziten der Gemeinden sind diese Kosten nicht gedeckt, so dass immer wieder zusätzliche Verhandlungen mit den Wohngemeinden notwendig sind, die zu einem verzögerten Eintritt führen können.

Das NZP VZK hat darum die Gesundheitsdirektion mit Nachdruck aufgefordert, mit Einbezug der Beteiligten einheitliche, kostendeckende Normkosten und Normdefizite festzulegen. Bei der AÜP sollte sich die Gesundheitsdirektion für kostendeckende Tarife einsetzen.

Dies ist insbesondere auch wichtig im Interesse der Versorgungssicherheit. Wenn die Finanzierung nicht gesichert ist, dann werden sich gegebenenfalls zu wenige Institutionen für die spezialisierten Leistungsaufträge im Rahmen der Pflegeheimbettenplanung bewerben.

Forensic Nurses

Bisher wurden Opfer einer Vergewaltigung, einer sexuellen Nötigung oder von häuslicher Gewalt im Kanton Zürich in allen Spitälern, die eine Notfallstation haben, untersucht und medizinisch betreut. Eine forensische Untersuchung erfolgte jedoch nur dann, wenn das Opfer eine Anzeige bei der Polizei erstattete. Wünschte das Opfer keine Anzeige, konnten auf dessen Wunsch die Spuren der Gewalttat für eine spätere Anzeige durch das ärztliche Personal dokumentiert werden.

Neu kann der aufsuchende Dienst der Forensic Nurses von allen Spitälern mit Notfallstation im Kanton Zürich zu jeder Zeit 365 Tage im Jahr beigezogen werden. Der Dienst schliesst hierbei alle Opfer von sexueller und häuslicher Gewalt ein, unabhängig vom Geschlecht und Alter. Die Opfer erhalten direkt vor Ort sehr niederschwellig und zeitnah Unterstützung durch die Forensic Nurses, die neben der Spurensicherung (auch ohne Anzeige bei der Polizei) die weitere Betreuung durch Opferberatungsstellen sicherstellen. Die betroffenen Personen müssen damit nicht erneut den Ort wechseln, nachdem sie sich dem Spitalpersonal anvertraut haben, um z. B. ein spezielles Krisenzentrum aufzusuchen. Die Gesundheitsdirektion, die Forensic Nurses des Instituts für Rechtsmedizin und die Spitäler haben damit ein niederschwelliges, professionelles System geschaffen, das rund um die Uhr den betroffenen Personen zur Verfügung steht. Der VZK hat bei der Implementierung des neuen Modells mitgewirkt.

Psychiatrien

Mit der Mitgliedschaft der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK), der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), der Clienia Schlössli AG, der Sanatorium Kilchberg AG und der Privatklinik Hohenegg AG hat sich das Handlungsfeld des VZK deutlich vergrössert. Der Austausch mit den bisherigen VZK-Mitgliedern ist sehr gewinnbringend und der VZK konnte auch schon erfolgreich bei Tarifverhandlungen unterstützen.

Wir freuen uns sehr über die erweiterten Tätigkeiten und sind davon überzeugt, dass wir damit bei der integrierten Versorgung einen grossen Schritt vorwärtsgekommen sind. So können wir einen wichtigen Beitrag zur qualitativ hochstehenden und gut zugänglichen Gesundheitsversorgung der Zürcher Bevölkerung leisten.

Ausblick – vom Denken ins Handeln

Um die hohe Qualität und gute Zugänglichkeit unseres Gesundheitswesens aufrecht zu erhalten sind die Themen gesetzt: Kostendeckende Tarife,Ambulantisierung und Digitalisierung sind ernsthaft voranzutreiben. Wir müssen vom Denken ins Handeln kommen, zügig vorwärts machen und dort wo möglich, selbstverantwortlich selber Tun. Dazu braucht es nicht mehr Regulierung , sondern weniger und eine Politik der Anreize für Innovation und Transformation

Das altbekannte Sprichwort «gemeinsam sind wir stärker» gilt auch hier. Die enge, vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit mit der Zürcher Gesundheitsdirektion ist hier – wenn auch in unterschiedlichen Rollen – entscheidend. Vielen Dank. Auch allen im Gesundheits- und Bildungswesen beteiligten kantonalen und nationalen Verbänden, Behörden, Unternehmen und Organisationen danken wir für das Ziehen am gleichen Strick mit dem Ziel, die hohe Versorgungsqualität unseres Gesundheitswesens zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Präsident Christian Schär
Dr. Christian Schär, Präsident
Roland Wespi, Geschäftsleiter